Auf ein Wort...

Hier finden Sie nachdenkliche, bewegende, fragende und erfrischende Texte zu Bibelstellen. Auslegungen und Kommentare, die anregen, Mut machen, aufmuntern und nach wirken. Lesen Sie selbst!

Zur Jahreslosung 2017

Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Was gibt es Schöneres zu Beginn des neuen Jahres als eine Verheißung Gottes?! Gerade eben haben wir am Ende des alten Jahres noch Rückschau gehalten – und spürten vielleicht nicht nur Dankbarkeit und Freude über viel Gelungenes, sondern auch ein Bedauern über Dinge, die nicht gelungen sind, Reue, dieses oder jenes getan oder unterlassen zu haben, Scham oder Schmerz darüber, Menschen verletzt oder verloren zu haben.

Heute nun erklingt die fröhliche Stimme des Propheten, durch die Gott uns allen zuruft: »Ich will Euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist und das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und ein fleischliches Herz geben.« Viele Menschen beginnen das neue Jahr mit guten Vorsätzen – als lustige Nachricht im Handy klingen die guten Vorsätze so:

Ich will: 10 kg – nein: 5 kg – nein: 2 kg abnehmen
Ich will: das Handy öfter – wenigstens abends – auf jeden Fall nachts ausschalten
Ich will: keinen Alkohol mehr trinken – weniger Alkohol trinken – erst nach 18 Uhr Alkohol trinken
Ich will: mir das Rauchen abgewöhnen – einschränken – alsogut, ich rauche auf keinen Fall, wenn ich erkältet bin
Ich will: wieder laufen gehen. Mindestens 3 mal pro Woche – also gut: 2 mal pro Woche – naja, 1 mal pro Woche …

Ich weiß nicht, welche Erfahrung Sie mit sich gesammelt haben, mit Disziplin und Selbstbeherrschung. Meine sind so, dass ich inzwischen vorsichtig geworden bin mit guten Vorsätzen: Denn ich weiß, dass es mehr braucht, als einfach nur einen guten Willen. Den braucht es auch, aber nicht im Sinne einer Kraftanstrengung, sondern eher im Sinn einer Bereitschaft. Der Bereitschaft innezuhalten, wahrzunehmen, was ist und mich zu öffnen, für Gottes Geist und Wort.

Als Hesekiel Gottes Wort hört und weiter gibt, ist das Volk Israel gerade in einer großen Krise. Jerusalem war erobert worden, die Oberschicht verschleppt. Die Jüdinnen und Juden in einem fremden Land und einer fremden Kultur, verunsichert und orientierungslos.

Ich denke jede/r weiß, wie sich Krise anfühlt. Sei es im privaten durch Veränderungen in der Familie, Verlust eines lieben Menschen, oder weil eine Krankheit plötzlich das Leben in Frage stellt; sei es beruflich durch den Verlust oder Wechsel eines Arbeitsplatzes, sei es gesellschaftlich: ob Wirtschaftskrise oder Europakrise oder Krise der Menschen, die aus Armut und Krieg geflohen sind und nun Schutz bei uns suchen.

Krise kommt von dem altgriechischen Verb „krínein“ – sich entscheiden. Krise hat also etwas mit einer Entscheidung zu tun. Wer in einer Umbruch- oder Krisensituation ist, weiß, dass es nicht so weiter gehen kann, wie bisher – weiß aber noch nicht genau, wie es nun weiter geht. In einer solchen Situation kann es sein, dass ein Mensch erst einmal zu keiner Handlung fähig ist, sondern sich wie gelähmt fühlt. Im besten Fall beginnt dann ein Lernprozess. Der Mensch beginnt, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen und wächst daran.

Von den Israeliten heißt es im 137. Psalm, dass sie an den Flüssen Babylons saßen und weinten. Es ist gut, in einer Krise erst einmal innezuhalten, wahrzunehmen, was man verloren hat und sich die Zeit zu nehmen zu trauern. Meist löst sich dann schon die Erstarrung, die Handlungsunfähigkeit. Noch ist die Schwäche spürbar, aber schon wird die Voraussetzung geschaffen dafür, dass neue Kräfte wachsen können. Und ein Neuanfang gerät in Sicht.

»Ich will Euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist und das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und ein fleischliches Herz geben.« Wer altes loslassen muss, wer sich von alten Mustern befreien will oder zerstörerischem Verhalten, der kann sich zwar hinstellen und gute Vorsätze fassen, aber er wird kaum die Kraft haben sich grundlegend zu ändern. Solange es nur Sätze sind, im Kopfe erdacht und aus einer vagen Einsicht gesprochen, solange ist es schwer, zu einer wirklichen Umkehr zu gelangen. Erst wenn das Herz erfasst wird, dann kann ein neuer frischer Geist wehen, sagt die Bibel. Das Herz: im Alten Testament wird dieses Organ mit über 800 Malen am häufigsten von allen Organen genannt. Dabei steht es nicht nur für ein lebenswichtiges Organ, das für die Lebendigkeit des ganzen Menschen da ist, sondern es ist der Sitz der ratio. Das Herz umfasst alles, was wir Kopf und Hirn zusprechen: Erkenntnisvermögen, Vernunft, Verstehen, Einsicht, Bewusstsein, Gedächtnis, Urteilsvermögen, Gewissen. Das Herz kann einem eng werden, wenn die Angst groß ist, und dann sind kluge Entscheidungen kaum zu treffen. Das Herz kann auch versteinern – das ist in der Bibel der Moment, in dem Menschen in die Irre gehen. Ohne Gott.

Wenn Gott den Israeliten damals und uns heute ein neues Herz geben will, dann ist damit verbunden, dass es weit und offen wird, dass eine Erkenntnis gewonnen wird, und daraus Orientierung erfolgt, wie es weiter gehen kann. Das Gewissen erhält einen neuen Kompass. Es muss nicht im Rückblick erstarren, sondern kann sich von Gott frei sprechen lassen, kann Verantwortung übernehmen, Schuld bekennen und neu beginnen. Zum Neubeginn gehört also: innehalten, zurückblicken, trauern, selbstkritisch wahrnehmen, was nicht gut war und Herz und Sinne öffnen für einen lebendigen Weg.

Ich bin dankbar für Gottes Angebot, den ersten Schritt zu tun. »Ich will…« heißen die ersten beiden Worte der Jahreslosung. Gott selbst will – und ich darf es geschehen lassen, darf es mir gefallen lassen. Muss es mir sogar gefallen lassen, denn allein könnte ich es nicht. Ein Neubeginn wird verheißen, der nicht mit der eigenen Kraftanstrengung beginnt, sondern damit, dass ich erkenne, wie unendlich wohltuend mit Gottes Hilfe.

Pfarrerin Anne Heimendahl

Bibelstelle: Hesekiel 36,26

27. Januar 2017


Ein heller Kopf, der verstehen will

Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen.

Wie oft wünschen, ja, erflehen wir geradezu, dass den anderen endlich einmal ein Licht aufgehen möge. Dass Einsicht Einzug hält, dass sie endlich mal kapieren, um was es geht, wie es funktioniert, was zu tun ist. Aber die bleiben meist uneinsichtig, tappen weiter im Dunklen und machen damit alles nur noch schlimmer.

Von dieser Erfahrung spricht der Psalmbeter, wenn er betont, dass das Licht selbst für einen Gerechten immer wieder aufgehen muss. Zu verstehen, um was es geht, was grade jetzt dran ist, das ist ein Prozess, etwas Dynamisches. Es gibt keine dauerhaften und immer gültigen Wahrheiten. Keine Einsichten, die unabhängig von der Zeit, unabhängig von der Situation zu haben sind. Das berühmte Licht, das einem von Zeit zu Zeit aufgeht, rückt unser und das Leben der anderen zurecht.

Besonders uns, wenn wir denn zu den Gerechten dieser Welt zählen wollen, sollte immer mal wieder ein Licht aufgehen. Im Umgang mit Fremden: Unsere Verlustangst eintauschen gegen Hilfsbereitschaft. Im Umgang mit Rechten: Unsere Abwehr eintauschen gegen ein Verstehen-Wollen, was diese Menschen wirklich bewegt. Im Umgang mit Andersgläubigen: Unsere Überzeugung nicht als die einzig Heilbringende durchsetzen zu wollen.

Gerechtigkeit kann da gelingen, wo wir verstehen wollen, was den anderen bewegt. Gerechtigkeit kann da gelingen, wo wir kapieren, was für den anderen Grundmotiv seines Handelns ist. Der Schlüssel zur Gerechtigkeit und Freude liegt in der Art und Weise, wie wir einander begegnen und wie wir miteinander umgehen. Dazu sollten wir weniger den anderen wünschen, dass ihnen endlich einmal ein Licht aufgehen möge, als vielmehr uns selbst. Immer wieder aufs Neue.

Bibelstelle: Psalm 97, 11

19. Dezember 2016


Es muss Fürsprecher geben

Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.

Mit dem Mund-auf-tun ist das so eine Sache. Wer für andere spricht, sollte sich absolut sicher sein, dass er das äußert, was der andere auch sagen will. Ich habe da so meine eigenen – mitunter schmerzlichen – Erfahrungen. Nicht selten verbirgt sich hinter dem ausgesprochenen Leiden nichts anderes als der Wunsch, alles einmal aussprechen zu können, sich alles von der Seele reden zu können. Eine echte Veränderung ist oft gar nicht gewünscht; auch wenn es so klingt.

Ähnlich verhält es sich mit denen, die in ihrem Leben selbst nichts zum Besseren verändern wollen, aber erwarten, dass andere für sie die Veränderung herbeiführen. Am Ende sind sie bei entstehenden Konflikten fein raus, denn sie haben ja nichts gesagt und nichts getan.

Ich bin vorsichtig damit geworden, für die Sache anderer einzutreten. Zu häufig habe ich erfahren, dass eine echte Verbesserung nur dann geschieht, wenn sich die betreffenden auch selbst für ihre Anliegen einsetzen. Sie dann dabei intensiv zu unterstützen und zu begleiten, das ist sinnvoll und nötig.

Und doch gibt es sie auch, diejenigen, die nicht reden können. Die stumm sind, weil sie mundtot gemacht wurden. Die Eingeschüchterten und Verzweifelten, die Weggesperrten und Geschundenen. Wenn sich niemand für sie einsetzt, werden ihre Anliegen nie gehört werden. Bei ihnen ist es wichtig, ja lebenswichtig, zu ihrer Stimme zu werden. Der/die für die Stummen redet, muss mutig sein. Und er/sie muss genau überlegen ob das, was gesagt wird, auch wirklich dem Wunsch des anderen entspricht.

Bibelstelle: Sprüche 31,8

14. Dezember 2016


Eine gute Nachricht!

Freut euch und seid fröhlich im Herrn, eurem Gott.

»Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.« So hat der Philosoph Friedrich Nietzsche über die Christen geurteilt. Er musste es ja wissen. Denn Nietzsche wuchs in einem Pfarrhaus auf.

In einigen kirchlichen Kreisen, vor allem in den protestantischen, hat sich an dieser Einschätzung bis heute kaum etwas geändert. Schade! Denn wir haben genügend Gründe, fröhlich zu sein. Die von Nietzsche genannte Erlösung ist einer von ihnen.

Erlösung, Loslösung, Lösung von allem, was unsere Seele beschwert. Ledig der Lasten, die unser Inneres zu erdrücken drohen. Gott schenkt uns das. Er schenkt es uns, weil er will, dass wir frei und froh, dass wir gelöst und fröhlich unser Leben leben. Können wir das glauben? Dürfen wir uns dessen sicher sein? Tief drinnen in vielen von uns schlummert er, der Zweifel. Da sind doch die Gesetze und Gebote, da haben wir doch Regeln und Riten. Und wie sieht es aus mit den Drohungen Jesu, dass er am Ende die annimmt, die sein Wort tun, und die, die es nicht schaffen, verworfen werden? Was sollen wir nun glauben: Regeln einhalten, tun, was Jesus von uns verlangt? Oder frei sein im Glauben an den Gott, der uns losspricht von den Gesetzen, die uns nur vor Augen führen, was wir wieder alles falsch gemacht haben? In diesem Dazwischen führen wir unsere Existenz. Mal mehr zur Seite der Freude, mal mehr zur Seite der Selbstanklage neigend.

»Freut euch und seid fröhlich im Herrn, eurem Gott.« Der Prophet Joel hat sich eindeutig positioniert. Er ruft uns auf, es ihm gleichzutun. Position zu beziehen. Uns einlassen, uns verlassen auf die Zusage Gottes, dass am Ende seine liebende Vergebung siegt. Das ist allemal Grund genug, fröhlich zu sein.

Bibelstelle: Joel 2,23

5. Dezember 2016


Nicht nur träumen. Machen!

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.

Zum Aufbruch bereit, wie es das Volk Israel unmittelbar vor seiner Flucht aus der ägyptischen Sklaverei war. Der Unterdrückung entfliehen. Die geringste Chance sofort nutzend. Allzeit bereit zum großen Schritt in die ersehnte Freiheit. Den Traum der Eigenständigkeit im Gepäck. Endlich so leben, wie man es sich immer gewünscht hat. Endlich tun dürfen, was man lange schon will.

Sein können, wer man ist. Ja, dafür lohnt es sich, in den Startlöchern zu stehen. Darauf lohnt es sich zu warten. Geschickt ist der, der sich bereits vorbereitet hat auf dieses neue Leben. Der, der für seine Sache brennt. Denn nur der, der weiß worauf er wartet und was er ersehnt, wagt auch den ersten Schritt. Nur wer sich vorbereitet hat, innerlich und äußerlich, bringt die Energie auf, sein Gefängnis zu verlassen. Die anderen verpassen den richtigen Moment; und nicht selten klagen sie später: Hätte ich damals nur …

Zum Aufbruch bereit, ausgerüstet mit der Fackel der Sehnsucht, angezogen mit dem Mantel des Freiheitswillens, so warten wir auf das Kommen unseres Heils. Werden wir mutig genug, werden wir entschlossen genug sein, wenn es soweit ist?

Bibelstelle: Lukas 12,35

14. November 2016


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