Multi-Kulti in der Pflege: Ein Interview

Evangelia (19) ist Schülerin im Evangelischen Diakonieverein und macht eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin im Ev. Krankenhaus Spandau. Sie ist Griechin mit einem griechischen Pass, obwohl sie in Deutschland geboren ist. Während manche jungen Leute mit ausländischen Wurzeln es nicht mögen, nach ihrem Migrationshintergrund gefragt zu werden, findet Evangelia, es sei wichtig, über das Thema „Multi-Kulti in der Pflege“ zu sprechen. Ein Interview von „Soziale Berufe kann nicht jeder“.

Evangelia, warum hast du dich für einen Pflegeberuf entschieden?
Ich war schon als Kind fasziniert vom Beruf der Krankenschwester und habe dann nach dem Realschulabschluss ein Freiwilliges Soziales Jahr im Pflegeheim gemacht, um zu schauen, ob die Pflege wirklich was für mich ist. Und inzwischen kann ich sagen: Ja, das ist was für mich.

Hattest du in der Ausbildung je Probleme mit der deutschen Sprache?
Nein, ich spreche fließend Deutsch. Dass ich außerdem fließend Griechisch spreche, war in der Ausbildung ein Vorteil! Denn viele Begriffe in der Anatomie kommen aus dem Griechischen. Oder auch „Kardiologie“ – das kommt von „Kardia“, dem griechischen Wort für „Herz“.

Gibt es noch andere Azubis mit Migrationshintergrund in deiner Klasse?
Nein, ich bin die einzige.

Wie ist es für dich im Pflegealltag – spielt es da überhaupt eine Rolle, dass du Griechin bist?
Ja, das ist immer wieder ein Thema. Zum Beispiel bei meinem Einsatz im ambulanten OP-Bereich hatten wir oft griechische Patienten, gerade auch ältere, die nicht so gut Deutsch sprechen. Da wurde ich oft als Dolmetscherin oder Bezugsperson gerufen. Wenn ich einen Griechen sehe, erkenne ich den sofort. Da muss ich gar nicht erst fragen. Und dann sprudelt das Griechisch automatisch aus mir heraus!

Und würdest du sagen, du hast grundsätzlich eine „interkulturelle Kompetenz“? Das heißt, du verstehst nicht nur bei griechischen Patienten, sondern auch bei anderen Kulturen, dass man sich mit seinen unterschiedlichen Hintergründen aufeinander einstellen muss?
Ja, das würde ich sagen. Viele ausländische Patienten fragen mich, woher ich komme, weil sie sehen, dass ich nicht Deutsch bin. Ich bin eher der dunkle Typ und auch sehr temperamentvoll und laut! In vielen südländischen Kulturen ist es ja so, dass ältere Menschen nicht im Pflegeheim, sondern zu Hause gepflegt werden. Für uns käme es auch nie infrage, meine Oma in ein Heim zu geben. Daher verstehe ich nicht nur die Griechen, sondern auch die türkischen oder italienischen Patienten.

Kannst du bei Konflikten im Pflegealltag vermitteln?
Ja, wenn zum Beispiel bei einem griechischen oder türkischen Patienten die ganze Großfamilie antanzt und es gibt ein großes Hallo, die Schwestern in der Spätschicht hätten es aber lieber etwas ruhiger. Dann sage ich: So ist das halt bei uns, wir Südländer sind immer in Kontakt mit der Familie, wir bleiben ja zum Beispiel auch länger zu Hause wohnen. Ein Grieche wäre eingeschnappt, wenn er im Krankenhaus liegt, und NICHT alle kommen. Die griechischen oder türkischen Patienten suchen auch oft den Kontakt zu den anderen Patienten und fragen mich: Warum kriegen die nie Besuch, was haben die denn für Kinder? Das erkläre ich den Schwestern. Und ich sage: Wenn es euch wirklich stört, dann bittet sie höflich zu gehen, dann tun sie das auch. Umgekehrt erkläre ich auch den Großfamilien: Die wollen euch nicht ärgern, sondern ihr werdet jetzt rausgeschickt, weil Visite ist.

Wie stellst du dir eigentlich deine berufliche Zukunft vor?
Studieren ist nicht meins. Ich möchte auf jeden Fall in der Pflege bleiben und mich gerne in die Stationsleitung hocharbeiten.

Und hast du zum Schluss noch einen Tipp für junge Leute mit Migrationshintergrund, die in die Pflege gehen wollen?
Ja, mein Tipp ist: Seid selbstbewusst und nehmt euch nicht alles zu Herzen! Mir wurde oft geraten, ich solle mein Temperament etwas zügeln und das habe ich auch getan, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Ich bin ich und das möchte ich auch bleiben. Auch wenn ich nur Auszubildende bin, finde ich: Die Kollegen müssen sich schon auch Mühe geben, mit mir klarzukommen, ich gebe mir ja auch Mühe, mit ihnen klarzukommen, auch wenn sie so ganz anders sind als ich. Und die Patienten lieben die Abwechslung, sie mögen mein Temperament!

Vielen Dank, Evangelia, und viel Erfolg für dein letztes Ausbildungsjahr!

aus: blog.soziale-berufe.com


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